Baum-Vorstellung

 

heute: Die Wald-Kiefer (Wald-Föhre)

 

Diese Baumart ist der Charakterbaum in den Wäldern Berlins und des Landes Brandenburg (Bilder 2 bis 4). Neben der Eiche mit ihren beiden Arten der Trauben- und der Stiel-Eiche ist sie immer noch die am häufigsten vorkommende Baumart. Die Wald-Kiefer gedeiht auf den vorwiegend sandigen Böden des Nordostens Deutschlands, die glazialen Ursprungs sind, sehr gut. Neben ihrer seit Beginn der geregelten Forstwirtschaft geförderten Ausbreitung (spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert) ist diese Kiefernart in diesem Raum seit Ende der letzten Eiszeit, des sog. Weichsel-Glazials, natürlich verbreitet. Darüber hinaus reicht das Verbreitungsgebiet dieser Kiefernart in Europa sehr weit nach Norden und Osten, so bis über den Polarkreis nach Nordschweden sowie Finnland und bis zum Ural in Russland.

 

Das Bild zeigt die Krone einer Wald-Kiefer im Bereich Pelzlake östlich von Müggelheim. Die Kronen neigen bei älteren und höheren Bäumen zu breiten schirmartigen Formen.

Bild 1: Die Kronen der Wald-Kiefer neigen im Alter bzw. bei höheren Bäumen zu breiten, schirmartigen Formen. Hier ist dies an einer Kiefer im Bereich der Pelzlake östlich von Müggelheim (Berlin) zu sehen.

 

Allgemeines zu den Kiefern und einige Kiefern-Arten vogestellt

 

Die Wald-Kiefer, deren lateinischer Artname Pinus sylvestris ist (“sylvestris” steht für Wald), trägt auch andere Namen, die oft gebräuchlich sind, wie Wald-Föhre, einfach nur Föhre, Gemeine Kiefer sowie Gewöhnliche Kiefer. In unserem Raum, also mehr oder minder Norddeutschland sowie das angrenzende Polen betrachtet, ist diese Art die nur einzige natürlich vorkommende Kiefernart.

Sie gehört der Gattung Pinus an, die jedoch, global gesehen, mit einer außerordentlich großen Zahl von Arten vertreten ist. In Europa sind zum Beispiel die bei uns einigermaßen bekannten Arten wie die Schwarzkiefer, die Pinie, die Arve oder Zirbel (Pinus cembra) sowie die Latschenkiefer beheimatet. Die Schwarzkiefer (Pinus nigra) stammt aus Südost-Europa, hier schwerpunktmäßig mit dem Balkanraum, ist jedoch in Mitteleuropa ein in Parks, auf Friedhöfen, im Areal von Kapellen und Kirchen und auch in größeren Gärten häufig angepflanzte Art. Ihre Zapfen sind mit bis zu 10 cm Länge und 6 cm Breite bei Öffnung in der Regel größer als die der heimischen Föhren.

Die Gattung Pinus ist auch namengebend für die Gesamtfamilie der Kieferngehölze, der Pinaceae. Zu dieser Familie gehören auch die Fichten (Gattung: Picea), die Tannen (Gattung: Abies), die Lärchen (Gattung: Larix), die Douglasie (Gattung: Pseudotsuga), die Hemlock- oder Schierlingstannen (Gattung: Tsuga), die Chinesische Goldlärche (Gattung: Pseudolarix), die echten Zedern des Mittelmeerraums (Atlas-Gebirge, Marokko), Kleinasiens und des Nahen Ostens (Kilikien, Libanon, Syrien) und des Himalajas (Gattung Cedrus) – nicht mit den amerikanischen Zedern zu verwechseln, die in Wahrheit Zypressen und Scheinzypressen einer anderen Familie, der Zypressengewächse, sind.

Zu den europäischen Kiefernarten gehören noch zwei weitere, auf dem Balkan beheimatete Arten, die Rumelische Kiefer (Pinus peuce), von Serbien über Mazedonien, Nord-Bulgarien bis Nordgriechenland vorkommend, und die Schlangenhaut-Kiefer (Pinus leucodermis), die westlich auch noch über den albanischen Raum bis nach Kalabrien (Italien) ausgreift. In Spanien sowie auf Sardinien und Korsika kommt die Strand-Kiefer vor (Pinus pinaster), mit bis zu 20 cm langen Zapfen.

Die Zirbel (Österreich) oder auch Arve (Bezeichnung im Schweizer Raum, z.B. im Engadin) ist eine typische Hochgebirgspflanze, die in den Alpen ab der hochmontanen Zone die Fichte abzulösen beginnt und weit hinauf in die subalpine Zone bis teilweise über 2000 Höhenmeter an Hängen mit geringer Lavinenneigung reicht. Sie ist von säulenförmig schlankem Wuchs und leicht blaunadelig. Ihre Nadeln fühlen sich weicher an als die der Föhre, die in tieferen Tallagen auch in den Alpen vorkommt (etwa bis 1100 m). Im Gegensatz zur Zweinadeligkeit der Kurztriebe der Wald-Kiefer sind die Kurztriebe der Zirbel oder Arve 5 -nadelig und sehr dicht stehend.

Die Latschenkiefer ist ebenfalls eine Gebirgspflanze, die die Bereiche über der sogenannten “Baumgrenze” besiedelt, wobei hier gemeint ist, in den Zonen, wo aufrecht wachsende Bäume mit zentral ausgebildeten Stämmen aufgrund von extremen Wetterunbilden und Schneelast nicht mehr vorkommen können. Auf dem Harzer Brocken sind Krüppel-Fichten noch bis unter den Gipfel vorhanden, wogegen hier die Latsche gänzlich fehlt. Die Latschenkiefer (Pinus mugo) hat ihre Verbreitungsgebiete mehr in den Gebirgen des östlichen Europas, so in den hohen Mittelgebirgslagen der Sudeten, des Altvatergebirges oder in den Hochgebirgen der Karpaten, hier in der bekannten Hohen und Niederen Tatra, und in den österreichischen und bayerischen Alpen, so in den Kalkalpen und den Zentralalpen. In den Dolomiten als auch in den schweizerisch-französischen Westalpen ist die Lärche der Baum des oberen Bergwaldes, um Zermatt z.B. bis 2300 m hinaufreichend.

Die Latschenkiefer bildet mehrstämmige, breit ausladende und biegsame Büsche, die Lawinen, Winterstürmen und sonstigen hohen Schneemassen standhalten. In den westlichen Alpen übernehmen diese Funktion Grünerlen und Weiden, deren Sträucher den Lawinen wegen ihrer Biegsamkeit standhalten. Die Nadeln der Latschenkiefer liefern ätherische Öle für Badezusätze.

Die im Mittelmeerraum weit verbreitete Pinie (Pinus pinea) mit ihren charakteristischen schirmartigen Kronen ist in Mitteleuropa nicht frosthart und daher in der Regel hier nicht zu finden. Ihre Zapfen erreichen 15 cm Länge und geöffnete Breiten bis 10 cm.

Aus Nordamerika stammt jedoch eine in Mitteleuropa seit längerer Zeit als Forstbaum angepflanzte Kiefern-Art, die Weymouthskiefer. Sie ist hier und da auch in den Berliner Forsten sowie in Brandenburg im letzten Jahrhundert in Monokultur oder in Mischbeständen mit Wald-Kiefer, teils mit Douglasie, angepflanzt worden. Ihre Zapfen sind sehr auffällig, da sie lang gestreckt sind und somit von der Form her von denen der Wald-Kiefer, aber auch von allen oben genannten Arten abweichen (Bild 12). Zudem sind die auch reifen verholzten Zapfen, die am Boden liegen, sehr mit Harz überzogen.

In Parkanlagen, botanischen Gärten, in großen Gärten, teilweise auch in städtischen Grünanlagen ist noch eine interessante, aus Nordamerika stammende Kiefernart zu finden, und zwar die Gelb- oder Gold-Kiefer (Pinus ponderosa). Ihre recht großen Zapfen, die in ihrer eiförmigen Gesamtform denen der Schwarz-Kiefer ähneln, zeigen auf der Unterseite der derben Zapfenschuppen Dornen auf (Bild 13). Diese Art ist u.a. in Kalifornien in Gesellschaft der Riesen- oder Bergmammutbäume zu finden.

Die Nadeln der Schwarz-Kiefer und ganz besonders die der Gelb-Kiefer sind länger als die der Wald-Kiefer. Bei der Gelb-Kiefer beträgt ihre Länge zwischen 12 und 28 cm. Die Nadeln der Schwarzkiefer messen bis 18 cm und sind auffallend dunkelgrün. Zudem ist eine 3-Nadeligkeit der Kurztriebe bei Schwarz- und Gelb-Kiefer ab und zu neben der normalen 2-Nadeligkeit zu finden. Die benadelten Kurztriebe der Wald-Kiefer sind immer 2-nadelig (Bilder 9 und 10).

 

Das Bild zeigt Bestände aus Jungkiefern und älteren Bäumen, die hier aneinandergrenzen. Wie hier auf den sandigen mit Steinen durchsetzten Böden einer Endmoräne, sind Kiefernwälder in Berlin und Brandenburg weit verbreitet und charakteristisch.

Bild 2: Bestände aus Jungkiefern und älteren Bäumen, die hier aneinandergrenzen. Wie hier auf den sandigen mit Steinen durchsetzten Böden einer Endmoräne, sind Kiefernwälder in Berlin und Brandenburg weit verbreitet und charakteristisch (Seddinberge bei Müggelheim).

 

 

Die Pfahlwurzel der Wald-Kiefer

 

Eine Eigenschaft, die bestimmt schon vielen Lesern aufgefallen sein dürfte, so beim sommerlichen Besuch von Badestellen in Berlin und Brandenburg, die ansteigende Hänge mit gelbweißen Sand einer postglazialen Flugsanddüne aufweisen, sind die dort am Rand tief mit ihrem Wurzelwerk verankerten Kiefern (Bild 3). Das Wurzelsystem der Wald-Kiefer weist nämlich zwei fast 90° zueinander orientierte Richtungssysteme auf. Zum einen ein zur Bodenoberfläche horizontales, weit ausgreifendes Wurzelgeflecht, und zum anderen ein senkrecht, tief in den Boden gehendes Wurzelgeflecht, die sogenannten Pfahlwurzeln. Damit ist diese Kiefernart in der Lage, sich auch bei Stürmen oder größeren Bodenerosionen an Hangabschnitten zu halten. Die Fichte als Gegenbeispiel bildet nur ein tellerartiges Flachwurzelsystem auf normalen Lockerböden (meist der Täler und flacher Hänge), wo sie bei starker Bodenfeuchte  (so nach ergiebigen Regenfällen) und anschließenden Sturmwetterlagen (Orkanen) leicht entwurzelt werden kann. Im Gebirge und an Steilhanglagen sieht die Situation bei der Fichte hingegen etwas anders aus, weil ihre Wurzeln dort in der Lage sind, sich in Fels- und Gesteinsklüften weitreichend zu verankern.

 

Das Bild zeigt Wald-Kiefern, die sich mit ihrem Wurzelsystem aus horizontalem Geflecht und senkrecht tief gehenden Pfahlwurzeln an den oberen Rand einer aus der Endphase der letzten Eiszeit stammenden Flugsanddüne klammern.

Bild 3: Wald-Kiefern klammern sich mit ihrem Wurzelsystem aus horizontalem Geflecht und senkrecht tief gehenden Pfahlwurzeln an den oberen Rand einer aus der Endphase der letzten Eiszeit stammenden Flugsanddüne. Hier am Badestrand des Kleinen Müggelsees, Februar 2021.

 

Kiefern benötigen zum Wachsen Standorte mit viel Licht-Eintrag. Nur wenn sie frei stehen, entwickeln die Bäume bis nahe zum Erdboden reichende Äste, die oft dann sehr ausladend sein können (Bild 5). Auch skurrile Baumgestalten kommen vor. Auf Mauerwerk alter Ruinen sind Krüppelkiefer von zum Teil erheblichem Alter zu finden, welches mehrere 100 Jahre betragen kann. Auch in Urwäldern von Nationalparks, z.B. auf Wollin im pommerschen Polen, sind bis zu 400 Jahre alte Wald-Kiefern, bei Stammdurchmesser von über 2 m zu finden. Als Forstholz geschlagene Stämme aus dem Müggelwald weisen nach Beobachtung durch den Autor an der Basis teilweise über 180 Jahre für ihre Jahresringe auf. Kalte oder auch trockenere Jahresabschnitte werden dabei durch sehr enge Jahresringe angezeigt.

Übrigens:  Zu den Kiefern gehören einige der ältesten Bäume der Welt. Die Grannen-Kiefer (Pinus aristata) erreicht im Bergland der White Mountains (USA) Alter von über 4000 Jahre und übertrifft damit die noch lebenden Bergmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) mit geschätzten Höchstaltern von um die 3000 Jahre. Nur die zu den Zypressengewächsen gehörende Alerce (Fitzroya cupressoides) Nord-Patagoniens in Chile erreicht ähnliche Höchst-Alter (um die 4000 Jahre).

Als Forstbaum war die Kiefer lange Zeit in unserem Raum einer der wichtigsten Holzlieferanten. Um gerade gewachsene, frei von starken Ästen seiende Stämme zu erreichen, sind sie in Monokulturen gepflanzt worden (auch durch Aussaat). Hierbei nahmen sich die Bäume innerhalb der Schonungen selbst gegenseitig soweit das Licht weg, dass in den unteren Bereichen der Stämme die Äste schnell zurückblieben und abstarben. Regelmäßige Durchforstungen sind bei einer solchen Bewirtschaftung unumgänglich, wobei Stangenholz geerntet wurde. Der Endbestand wurde dann mittels Kahlschlag gewonnen. Eine heute unter ökologischen Gesichtspunkten bevorzugte Einzelstamm-Entnahme ist nur in Verbindung mit nachwachsenden Mischwäldern, also dem Nachwuchs von meist Laubholz im Unterbau unter den Altkiefern möglich. Aber auch Fichten-Unterbau ist hier und da zu sehen, da Fichten mit weniger Licht zurechtkommen.

 

Das Bild zeigt noch relativ junge Kiefern im Mischbestand mit Birken und Eichen an einem Randbereich zu einer renaturierten Moorsenke östlich unweit des Müggelsees. Februar 2021.

Bild 4: Noch relativ junge Kiefern im Mischbestand mit Birken und Eichen an einem Randbereich zu einer renaturierten Moorsenke östlich unweit des Müggelsees. Februar 2021.

 

Das Bild zeigt eine knorrige Wald-Kiefer, die außerhalb des Forstbestandes auf offener, gut durchlichteter Fläche auf Endmoränensanden gewachsen ist. Sie zeigt ausladende, bis zum Boden reichende Äste und eine nur geringe Höhe. Seddinberge bei Müggelheim.

Bild 5: Eine knorrige Wald-Kiefer, die außerhalb des Forstbestandes auf offener, gut durchlichteter Fläche auf Endmoränensanden gewachsen ist. Sie zeigt ausladende, bis zum Boden reichende Äste und eine nur geringe Höhe. Seddinberge bei Müggelheim.

 

Blütenzapfen

 

Die Blütezeit der Wald-Kiefer ist im Mai. Auffallend sind dann immer die Beobachtungen, dass bei Wind um die Baumkronen herum regelrecht Staubwolken umherwirbeln, waldnahe Anwohner sich über gelb gepuderte Oberflächen auf Gegenständen, geparkten Autos usw. ärgern und nach Regenfällen gelbe Ränder um austrocknende Pfützen und andere Vertiefungen, wo Wasser geflossen ist und Wasser stand, erscheinen.

Es werden während der Blüte enorme Mengen an Pollen aus den aufgeplatzten Pollensäcken der männlichen Blütenstände (Bild 7) abgegeben. Trockene Wetterlagen und Wind begünstigen die Pollenabgabe. Bei der Kiefer sitzen spiralig angeordnet eine große Zahl kleiner Blütenzapfen an der Basis eines schon ab Ende April aus den Knospen brechenden Triebes. Die einzelnen grünweißen Blütenzapfen, die an seitlichen, sehr kurzen Trieben stehen, besitzen wiederum spiralig angeordnete Staubblätter mit pollengefüllten Staubbeuteln. Anders wie bei der Fichte, wo nur wenige, dafür größere und zudem rotblau gefärbte männliche Blütenstände an den äußeren Zweigen seitlich ansitzend gebildet werden, wachsen aus derselben Knospe bei der Kiefer die dicht liegenden männlichen Blütenstände und darüber dann ein neuer Austrieb mit dem Laub der neuen Nadeln. Während der Blüte sind die Laubblattbereiche oft noch mit der Knospenschutzhaut bedeckt (Bild 7).

Die weiblichen Blüten der Wald-Kiefer sind klein und rötlich gefärbt (Bild 8). Die Fichte zeigt hingegen größere, etwa 3-4 cm lange, ebenfalls rötlich bis rot-grünlich gefärbte weibliche Blütenstände. Die Struktur aus seitlichen Fruchtblättern sieht einer Zapfenstruktur der späteren Samenschuppen schon ähnlich. Während der Bestäubung öffnen sich bei der Fichte die Fruchtblätter, indem sie dann von der Zapfenachse abstehen und sogar nach unten gerichtet sind. Anschließend, nach der schnell erfolgenden Befruchtung der Samenanlagen bei der Fichte, schließen sich die Schuppen wieder. Bei der Kiefer geschieht dagegen die Befruchtung erst ein Jahr nach der Bestäubung (Bild 9). Vom Mai des darauffolgenden Jahres an färbt sich die Zapfenoberfläche der Kiefern-Zapfen grün, die Zapfen wachsen vom Volumen heran, wobei die Zapfen mit ihren Samen bis zum folgenden Herbst reifen (Bild 10). Bei der Fichte erfolgt die Samenreife schon bis in den Herbst des gleichen Jahres der Blüte.

Je verholzter Samenschuppe sind zwei einseitig geflügelte Samen enthalten, die nah aneinanderliegen (Bild 13).

 

Das Bild zeigt die Anfang Mai noch geschlossenen Staubblätter der männlichen Blütenstände der Kiefer. Sie sehen noch grünlich aus, da sie herangewachsen sind. Zur Pollenabgabe sind die Staubblätter gelblich-weiß und die prallen Pollensäcke platzen auf.

Bild 6: Anfang Mai sind die Staubblätter der männlichen Blütenstände der Kiefer noch geschlossen. Sie sehen noch grünlich aus, da sie herangewachsen sind. Zur Pollenabgabe sind die Staubblätter gelblich-weiß und die prallen Staubbeutel platzen auf.

 

Das Bild zeigt die männlichen Blütenstände, die im Mai die Kiefernblüte anzeigen. Die Staubblätter enthalten Pollensäcke, die bei trockener Witterung aufplatzen und den gelben Pollen freigeben, der vom Wind weit verfrachtet wird.

Bild 7: Im Mai beginnt die Kiefernblüte. Hier sind die männlichen Blütenstände zu sehen. Die Staubblätter enthalten prall mit Pollen gefüllte Staubbeutel, die bei trockener Witterung aufplatzen und den gelben Pollen freigeben, der vom Wind weit verfrachtet wird.

 

Das Bild zeigt die noch kleinen, rötlich gefärbten Blütenzapfen der Wald-Kiefer sitzen seitlich an den Enden von Langtrieben. Hier bei einer Kiefer im Juni 2020 im Müggelwald. Die Samenanlagen werden erst nach einem Jahr bestäubt, bevor die Zapfen anschließend im zweiten Jahr heranwachsen und reifen.

Bild 8: Die noch kleinen, rötlich gefärbten Blütenzapfen der Wald-Kiefer sitzen seitlich an den Enden von neu austreibenden Langtrieben. Hier bei einer Kiefer im Juni 2020 im Müggelwald. Die Samenanlagen werden erst nach einem Jahr bestäubt, bevor die Zapfen anschließend erst im zweiten Jahr heranwachsen und reifen.

 

Samenzapfen-Entwicklung

 

In der Berliner Mundart sind sie ja allgemein als Kienappel (Kienapfel) bekannt. Doch wie entwickeln sie sich?

Die im Mai bestäubten kleinen weiblichen Blütenzapfen der Wald-Kiefer benötigen ein Jahr, bis ihre Samenanlagen befruchtet werden. Diese anfangs während der Bestäubungsphase rötlich gefärbten Blütenzapfen (Bild 8) sind bis in den darauf folgenden Winter immer noch sehr klein, eiförmig, dabei kleiner als 1 cm in der Größe und mit bräunlich-verholzten Schuppenoberflächen versehen (Bild 9). Erst ab dem Frühjahr des Folgejahres und über die Sommermonate hinweg wachsen die Zapfen zu ihrer vollen Größe heran, wobei sie eine grüne Oberfläche zeigen. Auch wird in dieser Phase Harz ausgeschieden. Die an ihnen noch geschlossenen Samenschuppen sind in der typischen Struktur und Form bereits erkennbar. Die Länge der Zapfen beträgt dann etwa 4 – 6 cm. Vollständig gereift sind sie dann im Spätherbst, wobei die Samenschuppen verholzen und die zwei geflügelten Samen je Schuppe auf ihre Verbreitung warten (Bild 10).

Kiefernzapfen benötigen bis zur endgültigen Reife ihrer geflügelten Samen fast zwei Jahre. Bei Fichten reifen die Samen hingegen schon im Herbst des gleichen Jahres. Ganz grob gilt die Regel für Kiefernzapfen: im ersten Jahr verbleiben sie klein, im zweiten reifen sie heran. Die Samen selbst werden durch Öffnung der verholzten Samenschuppen freigegeben. Dies geschieht im 2 Jahr ab März und April bei trockenen Wetterlagen. Die Samenschuppen öffnen sich mit einem Knack-Geräusch. Die Samenschuppen besitzen einen rhombischen Querschnitt, der eine flache Innenseite aufweist, die je Schuppe zwei eng aneinander liegende einseitig geflügelte Samen tragen. Bei der Öffnung der Samenschuppen sind diese leicht nach außen gebogen (Bild 11) oder sogar abwärts gebogen, so bei Zapfen der Gelbkiefer (Bild 13). Die Zapfen der Wald-Kiefer sind zwischen 3 und 8 cm lang, geöffnet eiförmig, bei dann zeigenden Breiten von bis zu 5,5 cm.

Tiere wie z.B. Spechte picken geschickt diese Samen zur Nahrungsaufnahme heraus, in dem sie die schnabelgerechten Zapfen der Wald-Kiefer in Borkenritzen einklemmen und bearbeiten (sog. “Spechtschmiede”).

Dagegen sind Zapfen, die in der selben Zeit im Winter bei trockener Wetterlage mit geöffneten Samenschuppen an den Bäumen angetroffen werden können, solche, die ihre Samen bereits im Vorjahr abgegeben haben (Bild 11). Bei Feuchtigkeitseinwirkung schließen sich die Zapfenschuppen bei Kiefern, aber auch bei Fichten wieder. Dies ist bei am Boden liegenden Zapfen gut zu beobachten. Im Vergleich hierzu sei angemerkt, dass die Zapfenschuppen der Mammutbäume, einmal geöffnet, sich bei Feuchtigkeitseinwirkung nicht mehr schließen können.

 

Das Bild zeigt einen kleinen, fast einjährigen Kiefernzapfen im Februar. Er wurde im Mai des Vorjahres bestäubt, wobei die Samenanlagen erst bis in das kommende Frühjahr befruchtet werden.

Bild 9: Kleiner, fast einjähriger Kiefernzapfen im Februar. Er wurde im Mai des Vorjahres bestäubt, wobei die Samenanlagen erst bis in das kommende Frühjahr befruchtet werden. Dieser noch nicht entwickelte Zapfen sitzt am Ende des vorjährigen Zweigtriebes. Kiefer bei Müggelheim, Februar 2021.

 

Das Bild zeigt einen jungern, aus der Blüte des Vorjahres stammenden Kiefernzapfen mit hier im Februar noch geschlossenen Schuppen.

Bild 10: Reifer, aus der Blüte des Vorvorjahres stammender Kiefernzapfen mit, hier im Februar auch bei trockener Winterfrostlage, noch geschlossenen Schuppen. Die Samenreife war im Herbst des Vorjahres abgeschlossen. Das Öffnen der Samenschuppen und die Freigabe der geflügelten Samen erfolgt aber erst ab März. Aufnahme an einer Kiefer bei Müggelheim, 2021.

 

Das Bild zeigt den Zapfen einer Kiefer mit geöffneten Samenschuppen. Die Aufnahme erfolgte ebenso zur selben Zeit bei trockener Winterfrostlage im Februar 2021. Der geflügelte Samen des aus der Blüte des Jahres 2019 stammenden Zapfens wurde hier bereits abgegeben.

Bild 11: Zapfen einer Kiefer mit geöffneten Samenschuppen. Die Aufnahme erfolgte ebenso zur selben Zeit wie die des Zapfens im Bild 10 bei trockener Winterfrostlage. Die geflügelten Samen des aus der Blüte des Jahres 2019 stammenden Zapfens wurde hier bereits abgegeben.

 

Zapfen anderer Kiefern-Arten

 

In den Forsten Berlins und Brandenburgs ist die Weymouthskiefer ab und zu aufzufinden. Aus dem Thüringer Wald sind vom Autor über 40 m hohe Exemplare, umgeben von Fichten, bekannt. Die lichthungrigen Kiefern entwickeln dann ähnlich wie Lärchen sehr lange astfreie Stämme mit weit oben erst beginnenden Kronen. Ihre Kurztriebe sind wie bei der Arve 5-nadelig. Die Nadeln sind weich und biegsam. Die länglichen, leicht gebogenen Zapfen sind charakteristisch (Bild 12), können aber mit den sehr ähnlichen Zapfen der Tränen-Kiefer (Pinus wallichiana) verwechselt werden, die aus dem Himalaja stammt. Die Nadeln der letzteren sind jedoch trauerartig hängend.

 

Das Bild zeigt den länglichen, hier etwa 16 cm langen Zapfen einer Weymouths-Kiefer. Diese auch bei uns in den Forsten zu findende Kiefernart ist im nordöstlichen Nordamerika heimisch.

Bild 12: Der längliche, hier etwa 16 cm lange Zapfen einer Weymouths-Kiefer. Diese auch bei uns in den Forsten zu findende Kiefernart ist im nordöstlichen Nordamerika heimisch.

 

Die in botanischen Gärten und Forschungs-Arboreten, wie z.B. dem Späth´schen Arboretum der Berliner Humboldt-Uni in Baumschulenweg, aber auch in größeren Parks und Schlossgärten, aber auch in so manchen Gärten zu findende Gelb- oder Gold-Kiefer (Pinus ponderosa) ist ein prachtvoller Baum, der durch seine sehr langen Nadeln auffällt. Jedoch sind auch die Zapfen dieser Kiefer, zwar nicht die größten aller Kiefer-Arten, so doch noch bis zu 15 cm lang, bei einer Breite geöffnet von 9 cm. Ein rückwärts gerichteter Dorn auf der Außenseite jeder Samenschuppe ist im Gegensatz zu den dornlosen Schuppen der Schwarzkiefer ein weiteres Kennzeichen der Gold-Kiefer-Zapfen (Bild 13). Die ebenfalls aus Nordamerika stammende Jeffreys Kiefer (Süd-Oregon, Kalifornien) entwickelt 25 cm lange Zapfen, bei geöffneten Breiten bis 10 cm.

 

Das Bild zeigt den großen Zapfen einer Gelb-Kiefer, auch Gold-Kiefer genannt, mit weit geöffneten und teils abwärts gerichteten Zapfenschuppen. Die Zapfenlänge beträgt hier 14 Zentimeter. Auf den Außenseiten der Samenschuppen befinden sich im Unterschied zur Schwarzkiefer Dornen. Der Baum ist im westlichen Nordamerika beheimatet.

Bild 13: Der große Zapfen einer Gelb-Kiefer, auch Gold-Kiefer genannt, mit weit geöffneten und teils abwärts gerichteten Zapfenschuppen. Die Zapfenlänge beträgt hier 14 cm. Auf den Außenseiten der Samenschuppen befinden sich im Unterschied zur Schwarz-Kiefer Dornen. Der Baum ist im westlichen Nordamerika beheimatet. Zu sehen sind außerdem die Vertiefungen auf den Oberseiten, wo zwei geflügelte Samen nebeneinanderlagen.

 

Kiefern in städtischen Grünanlagen

 

In städtischen Grünanlagen zwar nicht häufig, aber hier und da gartengestalterisch vollzogen, sind Anpflanzungen von Wald-Kiefern zu finden, so auch im zentralen Kosmosviertel im Anliegerbereich der Ortolfstraße unweit des Bürgerhauses (Bild 14). Diese Kiefern haben sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht durch Naturverjüngung (Samenflug) hier angesiedelt, da im weiten Areal um das Kosmosviertel sich keine Kiefernforste befinden.

 

Das Bild zeigt eine Anzahl von Wald-Kiefern in einer Grünanlage im zentralen Kosmosviertel unweit des Bürgerhauses.

Bild 14: Eine Anzahl von Wald-Kiefern in einer Grünanlage im zentralen Kosmosviertel unweit des Bürgerhauses.

 

verfasst und mit Fotos versehen von

Detlef Kirstein, Projektleiter “Natur im Kosmosviertel”