Baum-Präsentation

heute: Die Linde

Der Lindenbaum. Als Straßenbaum und als Bepflanzung im Bereich städtischer Bebauungen ist er sehr robust und wie die Rosskastanie und die Platane zur Luftverbesserung und zur Beschattung gut geeignet.
Aber auch als Kultbaum, der in solitären Einzelexemplaren oft hohe Alter erreicht, ist er sehr bekannt. So stehen solche Bäume in so manchen Dorfkernen und markieren frühere Versammlungsplätze (Tanzlinde, Gerichtslinde). Auch in so manchen Volksliedern wurde er besungen.
In diesem Beitrag ist vor allem die Blüte der Linde thematisiert.

Zu den in Mitteleuropa heimischen Linden-Arten gehören die Winter- und die Sommer-Linde, randlich das Gebiet erfassend auch die Silber-Linde. Dabei ist das natürliche Verbreitungsgebiet der Winter-Linde insgesamt nördlicher angesiedelt als das der Sommer-Linde. Bei der ersteren zieht es sich von den Britischen Inseln über Südskandinavien bis in den europäischen Teil Russlands im Ural-Gebiet. Nach Süden hin ist die Winter-Linde eher nach Westen orientiert, so bis nach Spanien. Die Sommer-Linde schliesst dasselbe Areal ein, ist aber im Süden auch bis in die Türkei beheimatet. In Mitteleuropa ist die Winter-Linde dabei im Durchschnitt in den Mittelgebirgslagen häufiger anzutreffen als im Flachland.

Alle Linden gehören der Gattung Tilia an, die wiederum in die Familie der Malvengewächse gestellt wird.

Darüber hinaus gibt es auch noch eine Holländische Linde, eine Krim-Linde und die Breitblättrige Steinlinde. Letztere ist im mediterranen Raum beheimatet, wo sie von Potugal bis nach Westasien verbreitet ist und sogar in Nordafrika vorkommt. Das Holz der Breitblättrigen Stein-Linde ist übrigens schwerer als Wasser, was bei nur sehr wenigen Hölzern zutrifft. Sie wächst meist nur in Form kleiner Sträucher, Bäume können maximal 10 m Höhe erreichen.

Die Holländische Linde ist ein fruchtbarer Bastard aus der Kreuzung von Winter- und Sommer-Linde.

Die Krim-Linde ist an den glänzend grünen Blatt-Oberseiten und den großen, rötlichbraunen Achselbärten auf den helleren Blatt-Unterseiten zu erkennen.

Winter- und Sommer-Linde können anhand der Blätter unterschieden werden. Erkennungszeichen der Sommer-Linde sind dabei die größeren Blätter und weiße Haarbüschel auf den Blattunterseiten. Die Winter-Linde besitzt dagegen auf der Blattunterseite braune Achselbärte. Zudem sind die Blatt-Unterseiten der Winter-Linde eher blaugrün, die der Sommer-Linde hellgrün. Die Blatt-Unterseiten der Silber-Linde sind silbrig behaart, vom Blatt-Austrieb im Frühjahr bis in den Herbst hinein. Darüber hinaus zeigen die Blätter der Silber-Linde eine intensive goldgelbe Herbstfärbung (Bild 7). Die Silber-Linde hat ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet von Ungarn an über den Balkan bis in die Türkei und nach Südrussland.

Die Blätter der Linden sind breit und insgesamt rund und tragen eine sogenannte aufgesetzte Spitze. Die Basis ist asymmetrisch und schief herzförmig, die Blattränder sind nach vorn gesägt (Bild 5).

Frei stehende Linden entwickeln rundliche Kronen von größerer Breite als Höhe. Der zentrale Stamm ist auch ohne frühe Beschneidung selten hoch. Die von ihm abgehenden, stammnahen Äste sind dabei steil aufrecht gerichtet. In die Kronenaußenpartien gehende Äste sind oft waagerecht bzw. leicht abwärts orientiert.

Als Straßenbäume und als Baumbestand innerhalb von Wohnquartieren mit mehrgeschossigen Häusern sind hochaufragende Kronen von konischer Gestalt zu finden (Bild 1). Einzelbäume in Laubmischwäldern erreichen Höhen von 30 m.

 

Das Bild zeigt zwei versetzt stehende Linden im Bereich der Siriusstraße im Kosmosviertel zur Blütezeit.

Bild 1: Zwei versetzt stehende Linden im Bereich der Siriusstraße im Kosmosviertel zur Blütezeit

 

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Krone einer blühenden Linde in der zentralen Geschäftszeile des Kosmosviertels.

Bild 2: Ausschnitt aus der Krone einer blühenden Linde im Juni in der zentralen Geschäftszeile des Kosmosviertels.

 

Die Blütezeit der Linde umfasst in den Tieflagen den Juni, in den Mittelgebirgslagen reicht sie auch bis in den Juli (Bilder 3 und 5).

Zur Samenreife bilden sich bis zu 1 cm große Kapselfrüchte von kugeliger Gestalt. Sie werden vom Wind mittels eines Flügelblattes verbreitet. Schaut man genau hin, können 3-5 hervortretende Kanten an den Kapseln erkannt werden. Zudem sind ihre Oberflächen behaart.

 

Das Bild zeigt einen äußeren Ast-Abschnitt mit hängenden Blütenständen einer Linde im zentralen Teil des Kosmosviertels.

Bild 3: Ein äußerer Ast-Abschnitt mit hängenden Blütenständen einer Linde im zentralen Teil des Kosmosviertels. Auffallend sind zudem die großen, in der Blütezeit grünlichen Tragblätter.

 

Die Blüten sitzen in einer Anzahl von 4 bis 12 in hängenden oder allseits abstehenden Blütenständen. Jeder dieser traubigen bis rispigen Blütenstände besitzt ein großes Tragblatt bzw. Hochblatt, welches im Herbst nach der Samenreife als Flugblatt dient (Verbreitung über den Propeller-Effekt). Die Blütenknospen und entsprechend die Außenseiten der Kelchblätter sind grün. Die Innenseiten der fünf kürzeren Kelchblätter und beide Seiten der fünf längeren Kronblätter sind weißlich. Kelch- und Kronblätter laufen rundlich zu. Jede Blüte besitzt zahlreiche Staubblätter aus weißen Staubfäden und gelben Staubbeuteln (Bild 4). Der lange, zentrale Griffel besitzt zwei Narben.

Das Bild zeigt die Blüten einer Linde mit den Details aus 5 Kelch- und 5 längeren Kronblättern sowie zahlreichen Staubblättern. Der Baum steht im Kosmosviertel.

Bild 4: Blüten einer Linde mit den Details aus 5 Kelchblättern und 5 längeren Kronblättern sowie zahlreichen Staubblättern. Der lange, zentrale Griffel besitzt zwei Narben. Die Aufnahme entstand im Kosmosviertel.

 

Das Bild zeigt die Blütenstände einer Linde in der zentralen Geschäftszeile des Kosmosviertels.

Bild 5: Blütenstände einer Linde in der zentralen Geschäftszeile des Kosmosviertels. Auffallend sind zudem die langen, zur Blütezeit grünlichen Trag- oder Hochblätter

 

Linden sind aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Luftschadstoffen und extremer Witterungseinflüsse, speziell sommerlicher Hitzeperioden, für die städtische Begrünung von hoher Bedeutung. Ähnlich wie Rosskastanien und Platanen treten sie als Luftverbesserer und Schattenspender auf und sind in Form von Straßenrandbäumen sowie von Reihenbepflanzungen in bebautem Wohngebiet häufig anzutreffen (Bilder 1 und 6). Bei Linden-Bepflanzungen in Städten und bei Straßenbäumen, auch an Überlandstraßen, handelt es sich meist um Sommer- und Winterlinden.

Exotischere Linden, wie etwa die Silber-Linde, finden sich eher als solitäre Floren-Elemente mit dekorativer Wirkung. Bei der Silber-Linde sind es einerseits die silbrigen Blatt-Unterseiten, die ansprechen, und andererseits das im Herbst goldgelb erscheinende Laub. Im Kosmosviertel steht ein noch kleineres Exemplar am Westende der Venusstraße (Bild 7).

Das Bild zeigt in Reihe stehende Lindenbepflanzung in der zentralen Ladenpassage im Kosmosviertel als Teil der Bepflanzung des Grünzuges.

Bild 6: In Reihe stehende Lindenbepflanzung in der zentralen Ladenpassage im Kosmosviertel als Teil des Grünzuges

 

Das Bild zeigt das goldgelb gefärbte Laub eines kleinen Exemplars einer Silber-Linde an der Venusstraße im Kosmosviertel.

Bild 7: Goldgelb gefärbtes Herbst-Laub eines kleinen Exemplars einer Silber-Linde an der Venusstraße im Kosmosviertel

 

Lindenblüten werden gerne von Bienen besucht. Der aus dem Blütennektar gewonnene Lindenblütenhonig ist ein beliebtes Produkt. Darüber hinaus werden Lindenblüten auch als Hausmittel zur Zubereitung von Tee gegen Atemwegsbeschwerden verwendet. Das Holz ist ebenfalls sehr geschätzt, da es sehr hell und weich ist. Zum Beispiel wird es für Schnitzarbeiten oder in der Modelltischlerei verwendet. Aus der Rinde wurde früher der sehr zähe und feste Bast als Flecht- und Bindematerial gewonnen.

Linden können ein sehr hohes Alter erreichen. 600 – 1000 jährige Dorf-Linden sind häufig. Oft auch als sogenannte Tanzlinden oder Gerichtslinden, die das Zentrum öffentlicher Versammlungsplätze markieren, haben sie oft bereits im Mittelalter ihr Dasein erlebt. Es wird angenommen, dass es Exemplare mit einem nicht mehr genau nachzuweisenden Alter von fast 2000 Jahren gibt. Manche Stammdurchmesser können an die 6 m betragen. Allerdings hat sich das Kernholz bereits zur Gänze zersetzt, wobei die stützende Funktion das äußere Splintholz übernommen hat. Oft vollzogene, kräftige Rückschnitte haben zudem den Neuausschlag von Ästen und den Nachwuchs von neuem äußeren Holz gefördert.

 

verfasst und mit Fotos versehen von

Detlef Kirstein, Projektleiter „Natur im Kosmosviertel“