Baum-Präsentation

heute: Der Kentucky-Geweihbaum

Dieser in Europa, zumindest in Mitteleuropa, nur selten anzutreffende Baum ist der hiesigen Allgemeinheit kaum bekannt. Seine Heimat, das verrät schon der Hinweis des in seinem Namen enthaltenden US-Bundesstaates Kentucky, ist das östliche Nordamerika. Jedoch ist er nicht nur auf dessen Fläche beschränkt, sondern kommt vom südlichen Ontario in Kanada über Pennsylvania und Kentucky bis nach Louisiana als südliche Verbreitungsgrenze vor. Nach Westen ersteckt sich seine Verbreitung über Kansas bis nach Nebraska und Süd-Dakota. Natürlich auftretend kommt der Baum nur in kleinen Gruppen oder einzelnen Exemplaren vor. Anpflanzungen durch die indianischen Ureinwohner sind nachgewiesen. In der Heimat erreichen die Bäume Höhen von 30 m.

Der Kentucky-Geweihbaum (Gymnocladus dioicus) gehört wie die ebenfalls aus Nordamerika stammende Robinie oder die Gleditschie oder der aus Ostasien stammende Schnurbaum zur Familie der Hülsenfrüchtler. Früher wurden diese Gehölze in die eigenständige Familie der Schmetterlingsblütengewächse gestellt, in die z.B. auch der Klee mit seinen vielen Arten und der ebenfalls artenreiche Ginster gehören. Die Hülsenfrüchtler werden jedoch zur (höher gestuften) Ordnung Schmetterlingsblütenartige gestellt. Unser Kentucky-Geweihbaum, auch einfach nur Geweihbaum genannt, wird als Art der Gattung Gymnocladus in die Unterfamilie der Johannisbrotgewächse gestellt. Der Johannisbrotbaum ist im Mittelmeerraum und Vorderasien beheimatet. Die Johannisbrotgewächse, so neben dem Johannisbrotbaum und der Gleditschie eben auch der Geweihbaum, bilden keine eigentlichen Schmetterlingsblüten aus, sondern besitzen gleichgestaltige Kronblätter bzw. Zipfel einer verwachsenen Krone, sowie größere, radial angeordnete Kelchblätter bzw. -lappen. Dadurch grenzen sie sich von den zur Unterfamilie Schmetterlingsblütler gehörenden Bäumen wie der Robinie, dem Goldregen, dem Blasenstrauch oder dem Japanischen Schnurbaum ab. Diese besitzen Schmetterlingsblüten mit dem bisymmetrischen Aufbau aus Fahne, zwei Flügeln und dem zentralen Schiffchen. Der Geweihbaum ist zweihäusig-getrenntgeschlechtig, d.h. männliche und weibliche Blüten sitzen auf verschiedenen Bäumen, was im Artnamen „dioicus“ bereits ausgedrückt wird. Der Johannisbrotbaum ist häufig zweihäusig, es treten aber bei ihm daneben auch einhäusig getrenntgeschlechtige und zwittrige Bäume auf. Die Schmetterlingsblütler im engeren Sinne sind dagegen immer einhäusig und zwittrig.

Seine Bezeichnung Geweihbaum im Deutschen verdankt er der an Geweihformen, beispielsweise des Hirsches erinnernden Ausprägung der Verzweigungen der Äste (Bilder 1 und 2). Frei stehend bildet das Gehölz schnell flache, schirmartig ausladende Kronen, die sich über einem niedrigen Stamm entfalten (Bilder 8 und 10). Von anderen Bäumen umgeben entstehen dagegen hoch aufragende Kronen.

Das Bild zeigt das Astwerk eines Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Es erinnert an die Formen von Hirsch-Geweihen.

Bild 1: Die Verzweigungen des Astwerkes des Kentucky-Geweihbaumes erinnert an Geweihformen, beispielsweise des Hirsches, hier an einem Exemplar an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

 

Das Bild zeigt das Astwerk eines Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Es erinnert an die Formen von Hirsch-Geweihen.

Bild 2: Die Verzweigungen des Astwerkes des Kentucky-Geweihbaumes erinnert an Geweihformen, beispielsweise des Hirsches, hier an dem kleineren, männlichen Exemplar an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

 

Im Amerikanischen wird er als Kentucky Coffeetree bezeichnet, da früher die Samen geröstet wurden und als Kaffee-Ersatz dienten. Auf Grund von leicht giftigen Inhaltsstoffen, die auch nach der Erhitzung erhalten bleiben, können beim Genuss großer Mengen dieses Kaffees Vergiftungserscheinungen auftreten. Das in den Blättern und Früchten enthaltene stark giftige Cytisin wird dagegen beim Erhitzen zerstört.

Die Blätter des Geweihbaumes sind wie bei Robinie, dem Goldregen, der Gleditschie, dem Blasenstrauch oder dem Schnurbaum doppelt gefiedert, wobei paarig auf jeder Seite zwischen 5 und 9 eiförmig-elliptische Fiederblättchen ansitzen (Bild 3). Ein Endfiederblättchen wird beim Geweihbaum selten ausgebildet. Die Einzelfiederblättchen sind 5 bis 8 cm lang, etwas größer als bei der Robinie, am Ende zugespitzt und an der Basis keilförmig bis rundlich, teils auch leicht herzförmig. Der Laub-Austrieb erfolgt erst im Mai. Die Herbstfärbung ist gelb (Bild 10).

 

Das Bild zeigt die Fiederblätter mit paarig angeordneten Fiederblättchen eines Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee.

Bild 3: Fiederblätter mit paarig angeordneten Fiederblättchen eines Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee.

 

Die Blüten sitzen mehrzählig in Trauben von pyramidaler Form (Bilder 4 und 5), wobei die männlichen kürzer sind als die weiblichen. Die Blütezeit beginnt im Juni und erstreckt sich bis in den Juli.

Das Bild zeigt die Blütentraube eines Kentucky-Geweihbaumes mit männlichen Einzelblüten an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

Bild 4: Blütentraube eines Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Der Baum ist zweihäusig-getrenntgeschlechtig. Auf den Trauben dieses Baumes sitzen die männlichen Blüten.

 

Männliche wie auch weibliche Blüten des Geweihbaumes besitzen sternförmig angeordnete Kelch- und Kronblätter, die sich in den Geschlechtern sehr ähneln. Diese Kelch- und Kronblätter sind fünfzählig, etwa von gleicher Länge und an den Enden eingebogen. Die Kelchblätter (auch als Kelchlappen bezeichnet) sind schmaler und vor allem außen von braunrötlicher Farbe, innen dagegen weißlich-grünbraun. Die breiteren Kronblätter sind beidseitig grün-weiß. Die weißliche Farbe rührt von einer feinen Behaarung her. Bei den Kronblättern handelt es sich eigentlich um Zipfel einer verwachsenen Krone. Die männlichen Blüten besitzen zehn aus dem Röhrenschlund ragende gelbliche Staubblätter, wobei fünf kurz und fünf länger sind (Bilder 4 – 6).

Die Blüten des Geweihbaumes duften und werden von Insekten besucht und bestäubt.

 

Das Bild zeigt die sternförmigen männlichen Blüten an einem Kentucky-Geweihbaum an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

Bild 5: Männliche Blüten mit gelben Staubblättern am Schlund der Kronröhre. Die sternförmig ausgebreiteten Zipfel der Krone und die Lappen des Kelches sind jeweils fünfzählig. Der Baum steht an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

 

Das Bild zeigt die männlichen Blüten eines Kentucky-Geweihbaumes mit gelben Staubblättern, hier an einem Exemplar an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

Bild 6: Männliche Blüten des Kentucky-Geweihbaumes mit aus dem Kronenschlund ragenden kurzen und etwas längeren gelben Staubblättern.

 

Die weibliche Blüte kennzeichnet ein langer schmaler, aus dem Schlund ragender Griffel mit zweilappiger Narbe (Bild 7). Kronzipfel und Kelchlappen sind ebenfalls wie bei der männlichen Blüte je fünfzählig radial sternförmig angeordnet.

Das Bild zeigt die Traube mit weiblichen Blüten an einem Exemplar des Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

Bild 7: Traube mit weiblichen Blüten an einem Exemplar des Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Die aus den Kronen ragenden langen zweinarbigen Griffel sind Kennzeichen der weiblichen Blüten.

 

Das Bild zeigt ein kleines Exemplar eines Kentucky-Geweihbaumes mit ausgebreiteter Krone an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

Bild 8: Ein kleines Exemplar eines Kentucky-Geweihbaumes mit ausgebreiteter Krone an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Es handelt sich hierbei um einen Baum mit weiblichen Blüten.

 

Der selten in europäischen Grünanlagen zu findende Geweihbaum wird vorzugsweise in nah beieinander stehenden Exemplaren beider Geschlechter gepflanzt, um zu gewährleisten, dass sich reife Früchte und keimfähige Samen entwickeln. So können beispielsweise im Kosmosviertel (Altglienicke-Süd) an der Schönefelder Chaussee zwei nah zueinander stehende Exemplare, das eine mit weiblichen und das andere mit männlichen Blüten, betrachtet werden (Bild 9).

 

Das Bild zeigt zwei nah beieinander stehende kleine Exemplare des Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Es handelt sich bei diesem zweihäusig auftretenden Baum um je ein Exemplar mit weiblichen und männlichen Blüten.

Bild 9: Zwei nah beieinander stehende kleine Exemplare des Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Es handelt sich bei diesem zweihäusig auftretenden Baum um ein Exemplar mit weiblichen (links) und ein Exemplar mit männlichen Blüten (rechts).

 

Das Bild zeigt einen Kentucky-Geweihbaum mit großen braunen, an den Zweigen hängenden Hülsenfrüchten im September, hier an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

Bild 10: Im Herbst zeigen sich die an den Zweigen hängenden, großen braunen Hülsenfrüchte des Kentucky-Geweihbaumes, hier an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel. Das Laub färbt sich wie bei der Gleditschie gelb.

 

Die Fruchthülsen sind von bräunlicher Farbe, zweiseitig abgeflacht und mit einer Spitze am Ende versehen (Bilder 11 und 12). Die Oberfläche ist holzig-ledrig. Sie sind zwischen 15 und 25 cm lang und etwa 2 bis maximal 5 cm breit. Sie öffnen sich zunächst nicht und bleiben lange am Baum hängen, teils über den folgenden Winter hindurch. Die 3 bis 8 rundlichen Samen sind sehr hart, abgeflacht rundlich und betragen etwa 1,5 cm im Durchmesser. Die Samen sind von einem klebrigen Fruchtfleisch umgeben.

Das Bild zeigt die braunen, breiten Fruchthülsen eines Kentucky-Geweihbaumes im Kosmosviertel.

Bild 11: Braune, breite Fruchthülsen eines Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel.

 

Das Bild zeigt die braunen, breiten Fruchthülsen eines Kentucky-Geweihbaumes im Kosmosviertel.

Bild 12: Die Fruchthülsen des Kentucky-Geweihbaumes an der Schönefelder Chaussee im Kosmosviertel, hier aus einer anderen Perspektive als im Bild 11.

 

verfasst und mit Fotos versehen von

Detlef Kirstein, Projektleiter „Natur im Kosmosviertel“