Baum-Präsentation

heute: Der Japanische Schnurbaum oder Pagodenbaum

Der Japanische Schnurbaum oder auch Pagodenbaum war trotz seines Namens ursprünglich in China und Korea beheimatet. Jedoch schon früh erfolgte seine Kultivierung in Japan. Der Baum gehört wie die aus Nordamerika stammende Robinie oder Scheinakazie zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütengewächse innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler.

In städtischen Grünanlagen mitteleuropäischer Städte ist der Baum durchaus häufig zu finden, mittlerweile auch in recht großen Exemplaren (Bilder 1 und 5). Aber nicht nur dort und in Parks, sondern auch als Allee- und Straßenbaum wird er immer häufiger angepflanzt. Der Schnurbaum zeigt eine ausgeprägte Resistenz gegen Trockenheit und Abgase.

Die Formen seiner Fruchthülsen gaben dem Baum den Namen Schnurbaum, da die Samen in perlenschnurartig angeordneten rundlichen Erweiterungen sitzen, die von Einschnürungen unterbrochen sind (Bild 12). Auch erinnern diese insgesamt herabhängenden Fruchthülsen mit ihrer Aufeinanderfolge der erweiterten Samenkammern an Formen von Pagoden, daher auch der Name Pagodenbaum.

Die zunächst in steilen Winkeln vom Stamm aufwärts strebenden Äste oder Stammteilungen sind typisch für den Schnurbaum. Diese Baum-Formen erinnern etwas an die der Eukalyptus-Bäume. Das führt auch dazu, dass Kronen häufig mehrteilig oder zerrissen wirken (Bild 5). Große Baum-Exemplare des Schnurbaumes übersteigen mühelos Höhen von 25 m (Bild 1), besonders bei naher einseitiger Bebauung oder anderem umgebendem Baumbewuchs. Um sich zu entfalten, benötigen die Bäume jedoch eher gut belichtete, freie Standorte.

 

Das Bild zeigt ein großes Exemplar eines blühenden Japanischen Schnurbaums am Luisenhain gegenüber dem Rathaus Köpenick.

Bild 1: Großes Exemplar eines Japanischen Schnurbaums am Luisenhain gegenüber dem Rathaus Köpenick. Zu Beginn des Monats August steht er in voller Blüte.

 

Der japanische Schnurbaum ist einer der Exoten, die sich im Bestand der Baumbepflanzung auch des Kosmosviertels (Altglienicke-Süd) befinden (Bilder 2 bis 4). Dieses Neubauviertel im Süden Berlins weist zudem noch einige andere Besonderheiten unter den eher seltener zu sehenden Bäumen auf. So sind im zentralen Grünzug neben mehreren Exemplaren des Schnurbaums auch vier Urweltmammutbäume (Chinesische Rothölzer) zu sehen, in anderen Abschnitten sind der Trompetenbaum, die Parrotie und sogar der Kentucky-Coffeetree (Geweihbaum) vorhanden. Gartenarchitektonisch gestaltet sind parallel in mehreren Reihen gepflanzte Pagodenbäume im zentralen Teil des Grünzuges des Kosmosviertels auffällig. Als vermutliche, im Rahmen einer planerischen Gestaltung vollzogene Erstbepflanzung begleiten sie hier Wege und säumen auch eine Pergola bzw. Laube (Bilder 2 und 4). Der Erstbezug der Wohnblöcke mit Mietern erfolgte im Kosmosviertel 1989.

 

Das Bild zeigt in Reihe gepflanzte Schnurbäume im zentralen Grünzug des Kosmosviertels etwa in Höhe des Kiezladens WaMa.

Bild 2: In Reihe gepflanzte Schnurbäume im zentralen Grünzug des Kosmosviertels etwa in Höhe des Kiezladens WaMa zu Oktoberbeginn.

 

Das Bild zeigt die Krone eines in der vollen Blüte stehenden Schnurbaums im zentralen Kosmosviertel. Die cremeweißen Blüten sitzen in Rispen.

Bild 3: Die Krone eines in der vollen Blüte stehenden Schnurbaums in der zentralen Geschäftszeile des Kosmosviertels Anfang August. Die cremeweißen Blüten sitzen in lockeren Rispen.

 

Das Bild zeigt in Reihe gepflanzte Schnurbäume im zentralen Grünzug des Kosmosviertels. Sie dienen hier als Wegbeschattung.

Bild 4: In Reihe gepflanzte Schnurbäume im zentralen Grünzug des Kosmosviertels. Die zunächst in steilen Winkeln vom Stamm aufwärts strebenden Äste oder Stammteilungen sind typisch für den Schnurbaum. Diese Baum-Formen erinnern etwas an die der Eukalyptus-Bäume.

 

Das Bild zeigt einen Schnurbaum mit einer Krone aus steil emporragenden Stammteilungen. Der Baum steht am Ufer der Dahme in der Nähe des Luisenhains in Alt-Köpenick.

Bild 5: Japanischer Schnurbaum mit einer Krone aus steil emporragenden Stammteilungen. Der Baum steht am Ufer der Dahme in der Nähe des Luisenhains in Alt-Köpenick.

 

Die Laubblätter des Schnurbaums erscheinen erst spät im Mai und färben sich bereits schon früh im Oktober wieder gelb. Somit ist die Vegetationsperiode dieses Baumes recht kurz. Die ähnlich wie bei der Robinie mit vielen einzelnen Blattfiederchen besetzten Gesamtblätter stehen am Zweig wechselständig. Da die Blattfiederchen jedoch größer und etwas derber sind als bei der Robinie, ist eine Verwechslung mit Eschen zunächst möglich, jedoch, wenn genau hingeschaut wird, ausgeschlossen, da die Eschen (der Gattung Fraxinus) immer gegenständig ansitzende gefiederte Gesamtblätter besitzen. Die einzelnen Fiederblättchen des Schnurbaumes stehen sich wie bei der Robinie gegenüber, sind also gegenständig angeordnet (Bild 6). Maximal sind es 16 Fiederblättchen-Paare und ein Blättchen an der Spitze. Beim Amerikanischen Gelbholz, ein eher seltener Baum und mehr in Botanischen Gärten zu finden, welcher sonst ähnliche Blüten besitzt, sind dagegen auch die einzelnen Fiederblättchen wechselständig. Übrigens sind beim Schnurbaum auch die Oberflächen jüngerer Zweige grünlich.

Im Gegensatz zur ähnlichen Robinie zeigen die Zweige des Schnurbaumes keine Dornen. Die Blattunterseiten sind beim Schnurbaum fein behaart, bei der Robinie nicht.

Das Bild zeigt die Fiederblätter eines Schnurbaumes mit seitlich gegenständig ansitzenden Fiederblättchen. Der Baum steht im Kosmosviertel.

Bild 6: Fiederblätter eines Schnurbaumes mit seitlich gegenständig ansitzenden Fiederblättchen. Der Baum steht in einem von Wohnblöcken umgebenden Innenbereich im Kosmosviertel.

 

Die Blütezeit des Japanischen Schnurbaumes ist im Juli und August. Zu beobachten war, dass sich die Blüten in vollem Umfang nicht vor Mitte Juli öffnen (Bilder 3 sowie 10 und 11). Eine deutlich frühere Blüte, wie bei der Blasenesche, die bei uns, wohl infolge der allgemeinen Klimaerwärmung, bereits Anfang Juli zu blühen beginnt, und nicht erst im August, wie in der gängigen Literatur angegeben, ist beim Schnurbaum zumindest im Berliner Raum nicht festzustellen. Die zwittrigen Blüten des Schnurbaums stehen zahlreich in großen Rispen von etwa 25 cm Länge und pyramidaler Form (Bilder 7 a/b bis 9). Die Einzelblüten sind kleine zweiseitig symmetrische Schmetterlingsblüten, bestehend aus einer Fahne, zwei kleinen Flügeln und einem Schiffchen. Insgesamt sind sie mit maximal 2 cm Länge kleiner als bei der Robinie. Die Staubblätter ragen weit aus der Blütenöffnung. Die Farbe der Blüten ist insgesamt eher cremeweiß bis leicht blassgelb (Bilder 10 und 11). Die Farbe der Robinienblüten ist dagegen zumindest außen und im randlichen Innenbereich bei Blütenöffnung deutlich weiß, wobei innseitig kräftigere Zeichnungen auftreten. Der Kelch der Blüten des Schnurbaumes ist blassgrün, bei der Robinie rotbräunlich. Die Blüten werden von Insekten bestäubt, wobei auch heimische Bienen immer öfter angelockt werden. Die Robinie (Akazien-Honig-Lieferant) hat den Vorteil, schon viel früher nach Europa eingeführt worden zu sein und wesentlich robuster bei ihrer wilden Ausbreitung aufzutreten.

 

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Krone eines Schnurbaumes mit zahlreichen Blütenrispen und noch geschlossenen Blüten. Der Baum steht unweit des Rathauses Köpenick.

Bild 7 a: Ausschnitt aus der Krone eines Schnurbaumes mit zahlreichen Blütenrispen und noch geschlossenen Blüten. Der Baum steht unweit des Rathauses Köpenick.

 

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Krone eines Schnurbaumes mit zahlreichen Blütenrispen und cremeweißen Blüten. Der Baum steht unweit des Rathauses Köpenick.

Bild 7 b: Ausschnitt aus der Krone eines Schnurbaumes mit zahlreichen Blütenrispen und geöffneten cremeweißen Blüten. Der Baum steht unweit des Rathauses Köpenick.

 

Das Bild zeigt die großen Blütenrispen des Schnurbaumes hier noch mit größtenteils geschlossenen Blüten. Der Baum steht am Luisenhain in Alt-Köpenick.

Bild 8: In der ersten Juli-Hälfte zeigen sich die großen Blütenrispen hier noch mit größtenteils geschlossenen Blüten. Der Baum steht am Luisenhain in Alt-Köpenick. Zu sehen sind auch Reste der vorjährigen rundlichen Hülsen, die jeweils einen Samen enthalten.

 

Das Bild zeigt die sich öffnenden Blüten in den Rispen des Schnurbaumes.

Bild 9: Ab dem Juli beginnen sich die Blüten des Japanischen Schnurbaumes zu öffnen. Diese sind von der Form her Schmetterlingsblüten wie bei der Robinie, aber kleiner als bei dieser und von eher gelblicher bis cremeweißer Farbe.

 

Das Bild zeigt die geöffneten cremeweißen Schmetterlingsblüten an einem Schnurbaum im Kosmosviertel.

Bild 10: Die cremeweißen Schmetterlingsblüten der Rispen öffnen sich erst voll ab Ende Juli. Hier sind sie an einem Exemplar des Schnurbaumes im Kosmosviertel zu sehen. Ebenso wie bei der Robinie bestehen sie aus Fahne, Schiffchen und zwei Flügeln. Die Staubblätter ragen weit heraus.

 

Das Bild zeigt die cremeweißen Blüten an einem Japanischen Schnurbaum im Kosmosviertel.

Bild 11: Cremeweiße Blüten an einem Japanischen Schnurbaum im Kosmosviertel. Die Blüten öffnen sich erst vollständig Anfang August. Zu den Insekten, die die Blüten besuchen, gehören häufig Bienen.

 

Die Fruchtschoten sind als sogenannte Gliederhülsen ausgebildet und zeigen eine Aufeinanderfolge von rundlich erweiterten Samenkammern (mit je einem Samen) und dazwischenliegenden Einschnürungen (Bild 12). Daher stammt auch der Name Schnurbaum, da die Samenkammern wie auf einer Perlenschnur aufgereiht erscheinen. Da die Fruchthülsen am Baum abwärts hängen, erinnern solche Gebilde auch an Formen von Pagoden (daher auch der Name Pagodenbaum). Die Früchte reifen ab September. Früchte und Samen sind hochgiftig, wobei der Samen angeblich sauer schmecken soll, weswegen der Baum auch als Sauerschotenbaum bezeichnet wird.

 

Das Bild zeigt die Gliederhülsen, die nach jedem Samen Einschnürungen zeigen. Sie kennzeichnen die Früchte des Japanischen Schnurbaumes. Sie erinnern auch an Formen von Pagoden in ihrer Aufeinanderfolge der erweiterten Samenkammern. Der Baum steht im zentralen Kosmosviertel.

Bild 12: Gliederhülsen, die nach jedem Samen Einschnürungen zeigen, kennzeichnen die Früchte des Japanischen Schnurbaumes. Sie erinnern auch an Formen von Pagoden in ihrer Aufeinanderfolge der erweiterten Samenkammern, daher auch der Name Pagodenbaum. Der Baum steht im zentralen Kosmosviertel. Die Aufnahme erfolgte im September.

 

 

verfasst und mit Fotos versehen von

Detlef Kirstein, Projektleiter „Natur im Kosmosviertel“