Baum-Präsentation

heute: Gewöhnliche oder Gemeine Fichte – Weiblicher Blütenzapfen bzw. Blütenstand

Die hier betrachtete Fichte (Picea abies) mit dem kursiv angegebenen Gattungsnamen Picea (für alle Fichten) ist die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Art. Sie ist auch in Nord- und Osteuropa beheimatet. Östlich des Urals wird sie von der eigenständigen Art der Sibirischen Fichte abgelöst. In Karelien kommt auch noch eine Unterart vor. Auf dem Balkan gibt es noch das Insel-Areal einer eigenständigen weiteren europäischen Art, der als Zierbaum in Gärten gern angepflanzten Serbischen Fichte (Picea omorika). Der Artname „abies“ bei unserer betrachteten Fichte steht für Tannen-ähnlich, was aber nur auf die allgemeine Wuchsform hindeuten soll. Mit Tannen (Gattungsname Abies) sind die Fichten nicht verwandt. Der Gattungsname Abies, dann an erster Stelle vor dem Artnamen, steht für die eigentlichen Tannen, z.B. für die Weißtanne (Abies alba). Reifende weibliche Zapfen der Fichte hängen an den Zweigen abwärts, die der Tannen sind aufwärts gerichtet. Der verholzte Fichtenzapfen fällt als ganzes zu Boden, der der Tanne löst sich in einzelne Samenschuppen am Baum auf, so dass nur noch die Spindeln im Herbst an den Zweigen übrig bleiben. Unter den Bäumen liegen dann viele kleine Samenschuppen verstreut. Bei den Fichten liegen die ganzen Zapfen auf dem Boden umher. Die geflügelten Samen wurden meist vorher durch die Öffnung der Samenschuppen bei trockener Witterung freigegeben oder sie dienten als Nahrung verschiedener Tiere.

Durch ihre rötlich gefärbten Blütenzapfen im Frühjahr wird die Gewöhnliche Fichte auch als Rottanne bezeichnet.

Die Blütezeit der Gewöhnlichen Fichte kann im mitteleuropäischen Flachland bereits im April beginnen. In höheren Gebirgslagen (bis zu 1900 m in den Alpen) blüht sie auch erst im Mai oder Juni.

Die Fichte ist wie alle Vertreter der Familie der Kieferngehölze einhäusig. Männliche und weibliche Blütenzapfen sitzen auf einem Baum. Im Flachland Mittel-Europas erscheinen die Blütenzapfen (besonders die männlichen) bei vorher warmer Witterung bereits in der ersten April-Hälfte.

Die etwa 1 – 1,5 cm messenden männlichen Blütenzapfen sitzen an den Enden von Kurztrieben, an freistehenden Bäumen vorzugsweise in mittleren und unteren Partien, sind eiförmig und von rot gefärbten schuppenförmigen Staubblättern bedeckt. Blau gefärbte zentrale Bereiche auf der Außenseite der Staubblätter sind zudem häufig an diesen Blütenzapfen zu erkennen. Die Staubblätter sind wie die Deck- und Fruchtblätter der weiblichen Blütenzapfen bei der Fichte spiralig umlaufend angeordnet. Während der Blütephase bei trockener Witterung öffnen sich die Staubblätter, wobei die unter ihnen liegenden Pollensäcke sichtbar werden, die nachfolgend aufplatzen und den gelblich-weißen Pollen freigeben.

Die weiblichen Blütenzapfen (auch als Blütenstände bezeichnet) befinden sich an den Zweig-Enden der oberen Kronenpartien oder am Ende starker Äste der unteren Partien bei frei stehenden Bäumen. Sie sind anfänglich nach Ausbruch aus der Knospe weißlich-grün, dann grünlich und rötlich gefärbt. Sie bestehen aus spiralig bzw. schraubig angeordneten Fruchtblättern, die während ihres Heranwachsens grün sind. Sie tragen inseitig die Samenanlagen. Auf der Außenseite der Fruchtblätter sind außerdem die rosa gefärbten Deck- oder Tragblätter zu sehen. Die Tragblätter sind bei der Fichte jedoch schmaler und kleiner als die Fruchtblätter und verholzen zur Zapfenreife nicht (im Unterschied z.B. zur Douglasie). Beim Heranwachsen des Blütenzapfens werden sie schnell von den Fruchtblättern an Größe übertroffen. Die Blühphase beginnt bei Öffnung der Fruchtblätter, wobei diese dann abstehen und sogar am Zapfen abwärts gerichtet sind. Die Bestäubung durch den Pollen erfolgt durch den Wind. Ist die Bestäubung erfolgt, drehen sich die Fruchtblätter in ihrer Position in Richtung Zapfenspitze um und schließen sich. Die jetzt als Samenschuppen bezeichneten Fruchtschuppen gehen in das Reifestadium mit der Samenentwicklung über.

Die weiblichen Blütenzapfen der Fichte als Ganzes sind zunächst am Zweig aufwärts gerichtet und von länglicher Gestalt. Nach der Bestäubung beginnen die weiblichen Zapfen sich zu drehen und  abwärts zu hängen. Dabei entwickeln sie sich über ein grünes und harziges Stadium zu den braunen verholzten Zapfen mit den reifen geflügelten Samen im Herbst (2 Samen je Samenschuppe). Dabei verholzen die Fruchtblätter zu den bekannten Samenschuppen.

Stadien

1 – Blütenzapfen wächst heran (Bild 1).

2 – Blütenzapfen wächst heran. Die Fruchtblätter werden größer und beginnen sich zu öffnen (Bild 2).

3 – Blütenzapfen wächst heran. Die Fruchtblätter werden größer und öffnen sich soweit, dass die Blühphase (Bestäubung durch den Pollen) beginnen kann (Bild 3 und 4).

4 – Blütenzapfen ist zu fast voller Größe herangewachsen. Hauptblühphase. Fruchtblätter sind voll geöffnet und mehrheitlich nach unten gerichtet (Bild 5).

5 – Blühphase. Die Fruchtblätter sind mehrheitlich geöffnet (Bild 6, linker Zapfen), an der Basis des Zapfens sind die Fruchtschuppen bestäubt und schließen sich zur Samenreife.

6 – Blühphase nur noch an der Zapfenspitze. Auch im mittleren Abschnitt sind die Fruchtschuppen bestäubt und beginnen sich herumzudrehen, um sich zu schließen. Sie sind zunächst waagerecht orientiert (Bild 7).

7 – Blühphase fast abgeschlossen. Im unteren Abschnitt kehren sich die Fruchtschuppen immer mehr in ihrer Position zur Zapfenspitze um und schließen sich zur Samenreife (Bild 8).

8 – Zapfenreife beginnt. Die jetzt als Samenschuppen bezeichneten Fruchtschuppen sind bereits größtenteils geschlossen. Der Zapfen beginnt sich zu neigen und abwärts zu hängen (Bild 9). Der rechte Zapfen zeigt vollständig geschlossene Samenschuppen.

 

Ein letztes Stadium der Blüte zeigen der rechte Zapfen in Bild 6 sowie der linker Zapfen in Bild 9. Hier sind die Frucht- bzw. Samenschuppen im unteren und mittleren Abschnitt bereits geschlossen und zur Spitze gerichtet, aber oben noch einige Fruchtschuppen geöffnet.

 

Im Bild ist ein weiblicher Blütenzapfen der Gewöhnlichen Fichte zu sehen, mit grünen Fruchtblättern und rosafarbenen äußeren Tragblättern.

Bild 1: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte im Heranwachsen. Grüne Fruchtschuppen und rosafarbene, außen liegende Tragblätter sind gut zu unterscheiden.

 

Im Bild ist ein weiblicher Blütenzapfen der Gewöhnlichen Fichte zu sehen, mit grünen Fruchtblättern und rosafarbenen äußeren Tragblättern.

Bild 2: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte im Heranwachsen. Die Fruchtblätter beginnen sich zu öffnen.

 

Das Bild zeigt einen weiblichen Blütenzapfen der Gewöhnlichen Fichte mit grünen Fruchtblättern und rosafarbenen äußeren Tragblättern.

Bild 3: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte im Heranwachsen. Die Fruchtblätter öffnen sich. Deutlich sind zudem die Tragblätter im oberen Abschnitt zu sehen.

 

Das Bild zeigt einen weiblichen Blütenzapfen der Gewöhnlichen Fichte von der Seite mit grünen Fruchtblättern und rosafarbenen äußeren Tragblättern.

Bild 4: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte von der Seite gesehen. Die Fruchtblätter öffnen sich. Deutlich sind auch die schmalen Tragblätter zu sehen, die von den größer werdenden Fruchtblättern abgeschirmt werden.

 

Spiralig bzw. schraubig sind die grünen Fruchtblätter und die rosafarbenen kleineren Tragblätter auf den Außenseiten der Fruchtblätter (bzw. Fruchtschuppen) zu sehen. Bei der Gewöhnlichen Fichte verholzen während der Zapfenreife nur die Fruchtblätter. Inseitig der Fruchtblätter sitzen die Samenanlagen.

 

Das Bild zeigt den weiblichen Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte in der Blühphase mit abstehenden und herunterhängenden Fruchtblättern.

Bild 5: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte in der Hauptblühphase mit abstehenden und herunterhängenden Fruchtblättern. Der männliche Pollen wird durch den Wind herangetragen.

 

Das Bild zeigt den weiblichen Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte in der Blühphase mit abstehenden und herunterhängenden Fruchtblättern.

Bild 6: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte in der Blühphase (links) mit abstehenden und herunterhängenden Fruchtblättern. Die unteren Fruchtblätter sind bestäubt und schließen sich. Die Samenschuppen des rechten Zapfens sind bereits fast geschlossen. Die Samenreife beginnt.

 

Das Bild zeigt einen weiblichen Blütenzapfen einer Fichte mit geöffneten Fruchtblättern und sich schließenden reifenden Samenschuppen im unteren Teil.

Bild 7: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte in der Blühphase mit geöffneten Fruchtblättern. Die unteren und mittleren Fruchtblätter sind bestäubt und schließen sich.

 

Das Bild zeigt einen weiblichen Blütenzapfen einer Fichte mit oben geöffneten Fruchtblättern und sich schließenden reifenden Samenschuppen im unteren Teil.

Bild 8: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte mit oben geöffneten Fruchtblättern. Die unteren und mittleren Fruchtblätter sind bestäubt und schließen sich zu reifenden Samenschuppen.

 

Das Bild zeigt einen weiblichen Blütenzapfen einer Fichte mit ausgenommen der Spitze fast vollständig geschlossenen Samenschuppen.

Bild 9: Weiblicher Blütenzapfen einer Gewöhnlichen Fichte mit fast vollständig geschlossenen und reifenden Samenschuppen.

 

Hier eine Datei, die den weiblichen Blütenzapfen in verschiedenen Stadien vom Heranwachsen, über die Blühphase bis zum Beginn der Samenentwicklung nach der Bestäubung zeigt: Fichte_weiblicher Blütenzapfen_Projekt_Natur_im_Kosmosviertel

(Details können herangezoomt werden.)

Die Aufnahmen entstanden an einem eher noch kleineren Exemplar im Wald östlich von Müggelheim (Berlin-Köpenick) Ende April/Anfang Mai 2020. Weibliche Zapfen in den unteren Partien sind seltener und nur an belichteten Standorten anzutreffen.

 

verfasst und mit Fotos versehen von

Detlef Kirstein, Projektleiter „Natur im Kosmosviertel“